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Biografie Tessa Korber

Bild Tessy

Ich wurde geboren und lebe seither, so weit das Wesentliche, mich mit Träumen und Realitäten herumschlagend wie jeder, allerdings multipliziert durch die alternativen Welten der Bücher, die ich lese und schreibe.

Zur Welt kam ich 1966 in Grünstadt in der Pfalz, zog aber in sehr jungen Jahren schon nach Franken und empfinde den Anblick von Streuobstwiesen an Mittelgebirgshängen als absolut heimatlich. Ich trieb mich lange an der Universität herum, überwiegend in geisteswissenschaftlichen Fächern, ein Semester Medizin war allerdings auch dabei. Der dabei absolvierte Pathologiekurs mit seinen Leichen hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und fügt sich bis heute ein in meine intensive Beschäftigung mit dem Tod, etwa im Kriminalroman. Promoviert wurde ich über „Technik in der Literatur“, ein Thema, das mich seltsamerweise überhaupt nicht mehr interessiert.

Dafür blieb die Faszination für Geschichte, vor allem die der Antike, die vom Nebenfach zum Hauptbroterwerb aufrückte. Noch als Studentin begann ich mit dem Werbetexten, hielt mich damit eine Weile über Wasser, hatte aber das Glück, schon nach dem ersten Roman als freie Autorin existieren zu können. Seitdem lebe ich von meinen Ideen, ein unstetes und manchmal einsames Geschäft, aber doch der großartigste Beruf der Welt.

Ich bin zum zweiten mal verheiratet, habe zwei Kinder, Katzen, einen Hund und Freunde, die meine Faszination für Bücher teilen. Dass auch mein derzeitiger Mann schreibt und sich mit mir denkend und plottend durch verschiedene Welten bewegt, ist ein Geschenk. Mein jüngerer Sohn ist Autist, ein Umstand, der mein Leben stark bestimmt und besonders macht. Nennen wir es die beiden großen A: Autorin sein und Autismus. Alltäglich wird der Alltag damit nie.

feder

FAQ

Hier gebe ich Antworten auf die meistgestellten Fragen an mich.

Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Die schwierigste aller Fragen. Ich bin ein Vielleser mit breitem Spektrum, von Homer bis Charlaine Harris. Das geht durch alle Zeiten und Kontinente. In meinem Regal fndet sich Lukian neben Kirkmann und Moores Zombiecomic „The Walkind Dead, Rilke bei Murakami, Cioran neben Ringelnatz. Und Olliver Uschmann neben E.T.A. Hoffmann. Werden Sie daraus schlau? Ich nicht.

Welche Autoren, welche eigenen Leseerlebnisse spielen für Ihr Schreiben eine Rolle?

Es gibt Themen und Töne, die einen Funken in einem schlagen beim Lesen. Bei mir sind das oft: Tod, Insel, Verlust, Einsamkeit, Meer, Nachdenken, Bibliotheken, Listen, blau – die Aufzählung ist offen.

Woraus schöpfen Sie den Stoff für Ihre Bücher?

Wie alles: aus der Literatur und dem Leben. Aus dem Gerede der Menschen am Nebentisch, den Gesichtern von Leuten in Bussen. Aus Romanen, die mir gefallen oder mich ärgern. Aus der Zeitung – eher dem Regionalteil als dem Feuilleton. Aus den Unterhaltungen mit meinem Mann und meinen Freunden. Aus meinen Erfahrungen, die verarbeitet sein wollen, aus den Lebensgeschichten, die Rentner mir auf Parkbänken erzählen. Aus der Kuriositätensammlung bei Youtube und anregenden Sachbüchern. Aus dem halbbewussten Gedankenstrom, der beim Autofahren entsteht. Aus allem, was mir begegnet.

Warum schreiben Sie Kriminalromane?

Weil sie wunderbare Maschinen sind. Sie zwingen einen zur Handlung: ein Mord, eine Untersuchung, die Aufklärung. Das Uhrwerk des Geschehens wird in Gang gesetzt. Aber was diese Maschine produziert, ist meine Sache und gar nicht festgelegt. Komödie oder Nachdenken über die Sterblichkeit – oder beides. Politisches Statement oder Slapstick, Gesellschaftsanalyse oder Familienroman. Philosophischer Diskurs über das Recht oder misanthropischer Amoklauf, das und noch viel mehr ist möglich. Was immer man will, der Krimi trägt es.

Was meinen Sie: Was macht den Krimi für Leser so interessant?

Im Krimi geht es immer um die letzten und damit einzig interessanten Dinge im Leben: um Verlust, Trauer, Tod, Wahrheit und die Suche danach. Denn eigentlich fragen wir uns ja immer : Ist das, was geschieht, wirklich, oder steckt etwas anderes dahinter? Sehen wir die Dinge falsch? Die Ermittler gehen diesen Fragen für uns nach, vordergründig auf der Suche nach dem Täter, in Wahrheit auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn des Lebens.

Wie lange arbeiten Sie an einem Kriminal-Roman?

Krimi ist schnell, der Sog der Spannung erfasst einen auch beim Schreiben. Es dauert etwa zwei Monate, den Text zu verfassen. Dann folgt die Überarbeitung und das Feilen.
Die Idee selbst hat ihre eigene Zeit. Sie kann plötzlich da sein oder über Jahre gereift.

Wie ensteht eine Idee?

Da müssen chemische Prozesse ablaufen, Themen und Personen zueinander finden, ein Sound entstehen. Das alles lässt sich schlecht steuern. Irgendwann gibt es einen Knall, während eines Gesprächs oder Erlebnisses, im Auto, auf dem Klo, beim Fernsehen. Und auf einmal rücken Puzzleteile an ihren Platz, die bisher unbeachtet in der Kiste lagen. Sie sind oft Jahre alt. Doch in diesem Moment bekommt die Zeitungsnotiz, die man seit drei Jahren aufhebt plötzlich ihren Sinn. All die unverbundenen Bröckchen bilden mit einem Mal ein Muster. Und dann ist die Geschichte da.

Schreiben Sie lieber Krimis oder historische Romane?

Im Moment ist die Frage eindeutig zu beantworten: Krimi. Einfach weil es die offenere Form ist. Sie erlaubt mehr inhaltliche Freiheiten. Eine Weile habe ich es sehr genossen, zwischen beiden Genres abzuwechseln, die schnelle und die langsame Form, die epische Breite und das Tempo abwechselnd zu leben. Ich will auch nicht ausschließen, dass ich noch einmal einen Historischen Roman schreibe.

Warum haben Sie manche Bücher unter Pseudonym veröffentlicht?

Das liegt daran, dass diese Bücher einem anderen Genre angehörten als dem, mit dem ich bekannt wurde. Verlage und Buchhandel und Leser verbinden mit einem Namen bestimmte Erwartungen, die man nicht enttäuschen möchte. Meine Historischen Romane waren sehr faktenreich und dicht recherchiert. Ich ging davon aus, dass ihre Leser neben der Unterhaltung auch etwas lernen wollten und an einem möglichst realistischen Zeitgemälde interessiert waren. Als ich anfing, mit Fantasy-Elementen zu experimentieren habe ich verschiedene Pseudonyme gewählt. Damit niemand, der in einem Buch Original-Zitate aus den Schriften des antiken Arztes Galens goutiert, erschrickt, wenn im nächsten Buch eine Priesterin auftritt, die sich in Tiergeister versetzen kann.

Arbeiten Sie an einer neuen Serie?

Ja, der Bestatter Viktor Anders und sein autistischer Cousin Tobias, die sich in „Gemordet wird immer“ vorgestellt haben, gehen gerade in Serie. Was mich persönlich sehr freut. Einerseits, weil mich mein Praktikum als Bestatterin davon überzeugt hat, dass das ein zutiefst menschlicher und wertvoller Beruf ist. Das Anrührende liegt ganz von allein dicht neben dem Absurden. Wie im richtigen Leben.
Zum anderen freut mich der Erfolg meiner zwei Helden, weil ich selbst einen autistischen Sohn habe. Tobias gibt mir die Chance, Autisten als einerseits sehr viel anders, andererseits als doch verstehbar darzustellen. Das ist mir wichtig.

Sie haben ein autistisches Kind?

Ja, Simon, mein zweiter Sohn, wurde mit sechs Jahren als atypisch autistisch diagnostiziert. Er ist heute 13, seit einem Jahr lebt er in einer geschlossenen Wohngruppe in einer Einrichtung der Diakonie. Mit ihm zusammenzuleben ging nicht mehr, jetzt, ohne ihn allerdings, knabbere ich an den Schuldgefühlen. So oder so, man zahlt einen Preis. Ich habe über Simon und mich ein Buch geschrieben, „Ich liebe dich nicht, aber ich möchte es mal können.“ Im Grunde ist es ein Lebensbericht.

Warum haben sie aus einem so persönlichen Thema ein Buch gemacht?

Das habe ich mich auch gefragt, ich widme der Frage im Buch sogar ein eigenes Kapitel. Eine Freundin war da entspannter und sagte: So bist du eben, du machst dir die Dinge klar, indem du sie erzählst. Vermutlich hat sie recht, ich konnte all das erst wirklich begreifen und annehmen, indem ich es zu einer Geschichte machte, zu meiner Geschichte. Inzwischen liefern mir die vielen Leserbriefe, die ich erhalte, einen weiteren guten Grund, und ich möchte an dieser Stelle allen danken, die mir geschrieben und mich bestärkt haben. Väter und Mütter von autistischen Kindern sagen mir, dass sie froh sind, dass jemand die Worte für ihr Leben gefunden hat, die sie selbst nicht haben. Sie danken mir, dass ich ihnen diesen Raum gegeben habe, indem sie sich verstanden fühlen und mit dem Buch ein Instrument, der Umwelt zu erklären, wie das ist mit ihnen und ihrem Kind. Eine Mutter schreibt, sie verschenkt das Buch an alle, die mit ihnen zu tun haben, damit sie verstehen. Eine andere sagt, sie liest immer abends im Bett noch ein Stück Text, nur für sich, weil es ihr das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. Das tut sehr, sehr gut.

Kontakt

»Der Mensch ist das geschichtenerzählende Tier. Schon wenn er „Ich“ sagt, erzählt er eine Story.« Tessa Korber